Duden Rechtschreibreform

23 Jahre nach der Reform: Rechtschreibung wirft noch immer viele Fragen auf

Beckum (gl). 23 Jahre sind vergangen, seit die Reform der deutschen Rechtschreibung in Kraft getreten ist. Immer mal wieder wird vom Rat für deutsche Rechtschreibung nachgebessert. Doch ist inzwischen alles klar? Diesen Eindruck hat Hilla Michel-Kemper, Rechtschreibtrainerin aus Beckum, bei weitem nicht.

Rechtschreibung Beitrag Glocke

Hilla Michel-Kemper, Rechtschreibtrainerin aus Beckum, sieht bei ihren Seminarteilnehmer(inne)n auch 23 Jahre nach Einführung der neuen deutschen Rechtschreibung und 13 Jahre nach der „Reform der Reform“ noch viele Unsicherheiten in der Anwendung der aktuellen Regeln. Dass oftmals zwei Schreibungen möglich seien, verwirre nur noch zusätzlich, sagt die 58-Jährige.

„Das Fatale an der zweiten Reform war, dass man beide Schreibungen hat gelten lassen. Inzwischen wurden Entscheidungen zurückgenommen“, sagt die 58-Jährige, „was die Verunsicherung in der Bevölkerung noch größer macht.“ Die gelernte Industriekauffrau und (Geprüfte) Sekretärin hatte früh einen Faible für Sprache und ist seit 1990 als freiberufliche Fachlehrerin für Stenografie, Textverarbeitung und Bürotechnik sowie die aktuelle Rechtschreibung und Zeichensetzung tätig. In ihren Seminaren, die sie unter anderem bei Fortbildungsakademien verschiedener Bundesländer, Versicherungen und Behörden hält, seien die Teilnehmer(innen) oft verunsichert.

Groß oder klein, getrennt oder zusammen? – Viele Schreibungen werde von Schreibenden nach der Optik oder aus dem Bauch heraus entschieden, die uneinheitliche Schreibung in öffentlichen Publikationen verunsichere da zusätzlich. Außerdem sei das Thema Rechtschreibung ein hochsensibles, weiß Hilla Michel-Kemper aus Erfahrung. Niemand gebe hier gerne Wissenslücken und Unsicherheiten zu. In ihren Seminaren seien die Teilnehmer(innen) erleichtert, dass das Problem gemeinsam in der Gruppe erarbeitet werde.

Das Thema Rechtschreibung sei häufig schon im Kindesalter mit Schwierigkeiten belegt, sagt die Beckumerin. Während Eltern noch sehr geduldig mit ihrem Kleinkind seien, das gerade das Sprechen lerne, höre beim Schreiben die Geduld oftmals auf, und der Druck werde erhöht. „Eltern wollen, dass das Kind Friedrich sofort mit „F“ und Viktor mit „V“ schreibt, von Philipp wollen wir gar nicht erst reden“, sagt Michel-Kemper. Das „Schreiben nach Gehör“ (phonetische Schreibung), das in der Grundschule ab der ersten Klasse zunächst möglich war, sieht die Trainerin nicht nur kritisch. „Die Kinder kommen dadurch schneller ans Schreiben, und das stärkt wiederum die Motivation.“ Doch auch dem neuen Konzept in Grundschulen, das Schreibenlernen nach Fibel, steht sie aufgeschlossen gegenüber.

Später, wenn Rechtschreibung und Grammatik im Deutschunterricht thematisiert würden, entstünden Lücken, wenn die Schüler(innen) nicht aufmerksam und konzentriert seien, weiß die Trainerin. Defizite hielten sich oft hartnäckig und könnten spätestens beim Bewerbungs­schreiben zum Problem werden. „Unsere schriftliche Sprache macht einen großen Teil unserer Kommunikation aus“, betont Michel-Kemper die Notwendigkeit einer korrekten Schreibung.

Vom Kopf in die Hand

Beckum (ahu). Wer sich bei einem Problemfall zum Thema Grammatik und Rechtschreibung informiert und eine Regel für ähnliche Fälle ableiten möchte, der muss unter anderem fit in der Zuordnung der Wortarten sein, berichtet die Dozentin. Substantive könnten die meisten noch bestimmen – bei Verben, Adjektiven, Adverbien oder Präpositionen werde es schon schwieriger. Für Kinder sei es nicht so leicht, zwischen langem und kurzem Vokal zu unterscheiden, was für die Schreibung auch relevant sei – dies könnten Eltern mit ihren Kindern gezielt üben.

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Literatur und Regelwerke helfen weiter, wenn man fit in der Zuordnung der Wortarten ist, weiß Hilla Michel-Kemper.

„Was für Kopf und Hand der Schreibenden wichtig ist, steht in den Büchern oft nicht drin“, weiß die Expertin um die Schwierigkeit, sich im umfangreichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung sicher zu bewegen.

Rechtschreibreform DudenAm 1. Juli 1996 verpflichteten sich die Bundesrepublik Deutschland und weitere deutschsprachige Länder, die neue deutsche Rechtschreibung bis zum 1. August 1998 einzuführen. Einige Bundesländer führten die Regeln bereits mit Schulbeginn 1996/97 ein.

TIPPS

Eine kleine Hilfestellung in Rechtschreibfragen hat Hilla Michel-Kemper zusammengestellt. Es handelt sich zugleich um die wichtigsten Änderungen der Rechtschreibreform 1996/2006.

  • Doppel-ss und „ß“: Nach langgesprochenem Vokal wie in Fußball und Gruß wird regelhaft „ß“ geschrieben.
  • Nach kurzgesprochenem Vokal werden Mitlaute regelhaft verdoppelt: Tipp, Stopp, Tollpatsch.
  • Unabhängig von der Wortart (Adverb, Adjektiv etc.) wird zusammengeschrieben, wenn ein einheitlicher Wortakzent vorliegt: abwärtsfahren, aufeinanderstapeln, querlesen.
  • Zwei Verben dürfen immer auseinandergeschrieben werden: kennen lernen (kennen zu lernen), sitzen bleiben.
  • Verbindungen von Adverb (z. B. zurück) und Verb (z. B. nehmen) werden zusammengeschrieben (auch im Infinitiv mit zu): zurücknehmen (zurückzunehmen).
  • „Eisen verarbeitende Industrie“ schreibt man besser auseinander, „bauchtanzende Showgruppe“ immer zusammen. Warum? „Bauch“ ist in diesem Beispiel ein so genanntes verblasstes Substantiv. Die Kontrollsätze dazu, „Die Showgruppe tanzt Bauch.“, klingt nicht korrekt, „Die Industrie verarbeitet Eisen.“ hingegen schon.

(Quellennachweis: Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Diplom-Germanistin Anja Husmann)

Deutschstunde im Hamburger Abendblatt

Jeden Dienstag erscheint in einer Online-Deutschstunde ein lesenswerter Beitrag zu Sprache und Rechtschreibung von Peter Schmachthagen. Er ist „Hamburgisch“-Autor und früherer Chef vom Dienst des Abendblatts.

Hier einige aktuelle Kostproben:

Alle Deutschstunden zum Nachlesen und „bookmarken“ (Lesezeichen setzen):
http://www.abendblatt.de/themen/deutschstunde-kolumne/

Es kommt auf den Kontext an: Rechtschreibung 2016

„Die Jugend von heute schert sich nicht um Rechtschreibung? Stimmt nicht: Die jungen Leute wissen nur, wann sie sich Mühe geben müssen und wann nicht.“

Das sagt der ehemalige niedersächsische Staatssekretär Josef Lange, der jetzt an die Spitze des Rates für deutsche Rechtschreibung gewählt wurde, im Interview der Südwestpresse vom 25.06.2016.

Hier finden Sie den vollständigen Beitrag auf swp.de:
http://www.swp.de/ulm/nachrichten/kultur/Es-kommt-auf-den-Kontext-an-Rechtschreibung-2016;art1222892,3897707

Versaut Whatsapp die Rechtschreibung?

„Wohl kaum“ meint Joachim Schmitz in einem lesenswerten Kommentar der Osnabrücker Zeitung vom 26.06.2016. „Falsche Rechtschreibung wie im Filmtitel „Fack ju Göhte“ kann bisweilen sogar einen kreativen und spielerischen Umgang mit Sprache aufzeigen. Wortwitz ist schließlich kein Indiz für die Vernachlässigung von Sprache, sondern genau das Gegenteil.“

Ein interessanter Ansatz. Lesen Sie den vollständigen Beitrag auf noz.de
http://www.noz.de/deutschland-welt/kultur/artikel/734775/versaut-whatsapp-die-rechtschreibung-wohl-kaum

 

10 Schüler, Eltern und Lehrer aus Münster beim bundesweiten Diktatwettbewerb

„Beim bundesweiten Finale des großen Diktatwettbewerbs wird Münster gut vertreten sein. 10 Schüler, Eltern und Lehrer aus Münster haben sich dafür qualifiziert und werden am 14. Juni 2016 nach Frankfurt fahren.

Im Münsterfinale am Mittwoch, den 27. April 2016, schrieben rund 30 Teilnehmer aus Münster mit. Das Diktat dauerte etwa eine halbe Stunde und handelte unter anderem von „filetierten Meeraalen“ und einem „philanthropischen Spendenlauf“. In der Aula des Paulinums waren alle hochkonzentriert bei der Sache. Jeder wollte schließlich das Ticket nach Frankfurt.

Die Kommunalen Stiftungen Münster haben den großen Diktatwettbewerb nach Münster geholt. „Dabei geht es nicht nur um richtiges Schreiben, sondern um den bewussten Umgang mit der deutschen Sprache“, betont Petra Woldt von den Kommunalen Stiftungen.
…“

Lesen Sie den vollständigen Beitrag über diesen interessanten Wettbewerb in der Pressemitteilung vom 27.4.2016.